Wenn eine Kantine zum Club wird.
- Thorsten
- vor 4 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Jazzrausch Bigband bei den Audi Sommerkonzerten

Die Jazzrausch Bigband hat richtig abgeliefert und die Besucher der Audi Sommerkonzerte mächtig in Bewegung versetzt. Mein Plan für das Konzert, was ich dann geändert habe und welches Foto fehlt, lest ihr im Artikel.
Es gibt Konzerte, die fotografiert man. Und es gibt Konzerte, die man erlebt.
Die Audi Sommerkonzerte begleiten mich inzwischen seit einigen Jahren. Dass Audi mir dieses Vertrauen schenkt, weiß ich sehr zu schätzen. Jedes Jahr entstehen dabei besondere Momente – nicht nur, weil die Konzerte fotografisch spannend sind, sondern weil das Programm außergewöhnlich vielseitig ist. Von klassischer Musik bis hin zu modernen Produktionen ist jedes Konzert anders. Genau das macht diese Konzertreihe für mich so besonders.


Als ich im Programm gelesen habe, dass die Jazzrausch Bigband nach Ingolstadt kommt, war die Vorfreude sofort da. Vor zwei Jahren war die Band bereits einmal bei den Audi Sommerkonzerten zu Gast. Damals konnte ich den Auftrag wegen einer Hochzeit nicht übernehmen und ein befreundeter Fotograf ist eingesprungen. Umso mehr habe ich mich diesmal auf den Abend gefreut.
Verdi trifft Club.
Die Jazzrausch Bigband macht etwas, das auf dem Papier fast widersprüchlich klingt.
Jazz.
Techno.
Bigband.
Club.
Und trotzdem funktioniert es.
Mit Verdi's Breakdown präsentierten sie bei den Audi Sommerkonzerten eine moderne Hommage an Giuseppe Verdi. Im zweiten Teil folgte Musik ihres aktuellen Albums. Was dabei auf der Bühne entstand, war weit mehr als ein Konzert.
Licht.
Nebel.
Rauchfontänen.
Feuer.
Treibende Beats.
Und Musikerinnen und Musiker, die sichtbar Spaß daran hatten, gemeinsam etwas entstehen zu lassen. Irgendwann habe ich mich dabei ertappt, dass ich selbst angefangen habe, mich im Takt zu bewegen. Die Kantine H6 war für diesen Abend kein Veranstaltungssaal mehr.
Sie war ein Club.
Mein Plan. Zumindest am Anfang.
Vor jedem Auftrag überlege ich mir, was ich ausprobieren möchte.
Für dieses Konzert hatte ich mir vorgenommen, möglichst konsequent mit Festbrennweiten zu fotografieren.
Mein Plan war simpel:
Sigma 35 mm f/1.4
Sony 85 mm f/1.4
Ich wollte bewusst nah an der Geschichte bleiben und mich durch meine Position bewegen, anstatt ständig die Brennweite zu verändern.
Das hat... ungefähr eine halbe Stunde funktioniert.
Dann wurde mir klar:
Das 70–200 mm gehört heute einfach dazu. Nicht, weil Festbrennweiten nicht funktionieren würden. Sondern weil sich auf dieser Bühne gleichzeitig so viel abgespielt hat, dass ich bestimmte Momente sonst schlicht nicht erreicht hätte.
Manchmal ist der ursprüngliche Plan gut. Und manchmal ist es besser, ihn loszulassen.
Fotografieren heißt antizipieren.
Bei Konzerten gibt es keine zweite Chance.
Der entscheidende Blick.
Der Sprung.
Die Rauchfontäne.
Der Lichtwechsel.
Sie passieren genau einmal.
Natürlich gehört auch Glück dazu.
Aber je mehr Konzerte man fotografiert, desto häufiger entwickelt man ein Gefühl dafür, wann etwas passieren könnte.
Man beginnt, Situationen zu lesen. Man stellt sich an einen Ort, obwohl dort gerade noch nichts passiert. Und manchmal wird genau dort Sekunden später das stärkste Bild des Abends entstehen. Manchmal aber eben auch nicht.
Das Bild, das ich nicht gemacht habe.
So zufrieden ich mit dem Abend bin – ein Bild fehlt mir. Nach dem letzten Stück verabschiedete sich die Band vom Publikum. In diesem Moment wollte ich unbedingt noch eine Aufnahme von hinter den Musikern ins Publikum machen.
Die Bühne.
Die Musiker.
Die Zuschauer.
Alle gemeinsam in einem Bild.
Ich war einen Tick zu langsam.
Bis ich meine Position gewechselt hatte, war der Moment vorbei.
Früher hätte mich das geärgert.
Heute sehe ich das anders.
Jeder Auftrag endet mit dem Gedanken:
"Beim nächsten Mal weiß ich es besser."
Und genau deshalb fotografiere ich Konzerte immer noch so gern.
Mein Moment.
Der Moment, der mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist, war gar kein einzelnes Foto. Es war der Augenblick, als die ersten Techno-Beats einsetzten und plötzlich der ganze Raum in Bewegung kam. Musiker, Publikum und Fotograf – für einen kurzen Moment waren wir alle Teil derselben Energie. Genau dafür liebe ich Konzertfotografie.
Mein Learning.
Geh mit einem Plan in einen Auftrag. Aber halte nie so fest daran, dass du den Moment verpasst.
Technik ist wichtig. Vorbereitung auch. Aber die besten Bilder entstehen oft dann, wenn man bereit ist, den ursprünglichen Plan loszulassen.


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